Heizen im Neubau: Wärmepumpe wird zum Standard
Heizen verbraucht im Haushalt am meisten Energie – mindestens zwei Drittel entfallen darauf. Aktuell werden fast drei von vier Wohnungen mit Gas oder Öl beheizt. Noch. Denn was im Neubau installiert wird, prägt den Gebäudebestand für die nächsten Jahrzehnte. Umso wichtiger ist die Frage: Wie entscheiden sich Auftraggebende heute?
Wir haben die aktuellen Daten zu Heizarten in den 2024 fertiggestellten Gebäuden ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig – und macht Hoffnung: Die Wärmewende im Neubau ist hierzulande keine Zukunftsvision mehr, sie ist Realität.
Wichtige Erkenntnisse zum Heizen im Neubau:
- Knapp 70 % aller neuen Wohngebäude heizen mit Wärmepumpe
- In 3 von 4 neuen Ein- und Zweifamilienhäusern sind Wärmepumpen verbaut
- Bei Mehrfamilienhäusern liegt Fernwärme mit 34 % knapp vorn
- Regionale Unterschiede sind erheblich: Wärmepumpenanteil liegt zwischen 83 % (Sachsen-Anhalt) und 32 % (Bremen)
- Die Ölheizung spielt mit 0,3 % im Neubau keine Rolle mehr
Wärmepumpe heizt in 7 von 10 neuen Wohngebäuden
2024 wurden in Deutschland 76.073 Wohngebäude fertiggestellt. Die Wärmepumpe ist mit 69 % die mit Abstand am häufigsten verbaute Heizlösung. Sie nutzt Umweltwärme aus Luft, Wasser oder Erdboden (Sole) und macht diese für die Gebäudeheizung nutzbar. Rund 47.000 neue Wohngebäude (61 %) wurden mit Luft-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen beheizt, weitere 6.000 Neubauten (8 %) mit Sole-Wasser-Wärmepumpen. Die Luft-Wasser-Variante dominiert mit 89 % aller Wärmepumpen-Installationen – sie ist günstiger und einfacher zu realisieren.
Dahinter – und weit weniger häufig – kamen in neuen Gebäuden Gas (15 %) und Fernwärme (9 %) zum Einsatz. Holz und Strom spielen mit zusammen 6 % eine untergeordnete Rolle, liegen jedoch noch vor der Ölheizung mit 0,3 %. Die Zahlen belegen: Wer 2024 ein Wohngebäude errichtet hat, entschied sich in der großen Mehrheit für eine Wärmepumpe. Öl ist aus dem Neubau faktisch verschwunden, Gas verliert an Bedeutung.
Rahmenbedingungen stärken Wärmepumpe
In dem Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser ist die Wärmewende voll auf Kurs. Drei von vier Auftraggebende entscheiden sich für eine Wärmepumpe. Das liegt auch an den Rahmenbedingungen: Seit dem 1. Januar 2024 müssen in Neubaugebieten installierte Heizungen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden – die Wärmepumpe ist hierfür die primäre Lösung.
Zudem entstehen Ein- und Zweifamilienhäuser überwiegend in ländlichen oder vorstädtischen Gebieten. Dort sind Wärmepumpen einfacher zu realisieren, denn es gibt mehr Platz und weniger Lärmkonflikte. Hinzu kommt: Auftraggebende nutzen die Immobilie hier meist selbst. Wer ein Haus baut und darin wohnt, entscheidet sich heute oft für Umweltwärme – auch aufgrund der attraktiven Förderung.
Urbane Lage und Interessen sind Faktoren
Woran liegt das? Mehrfamilienhäuser entstehen häufiger in städtischen, dicht besiedelten Gebieten, die durch Fernwärmenetze – teilweise mit Anschluss- und Benutzungszwang durch die Kommunen – oder eine historisch gut ausgebaute Gasinfrastruktur versorgt werden. Zudem bleibt aufgrund der dichteren Bebauung weniger Platz für die Installation einer Wärmepumpe. Auch ein wirtschaftlicher Faktor kommt hinzu: Bei größeren Wohnprojekten entscheiden meist nicht private Auftraggebende, sondern Investierende und Bauträgerunternehmen – bisweilen mit anderen Prioritäten.
Regionale Unterschiede: Spitzenreiter und Nachzügler
Die regionale Auswertung offenbart erhebliche Unterschiede bei der Wahl der Heizart. Diese sind nicht immer politisch begründet – oft spielen Infrastruktur und historische Gegebenheiten eine entscheidende Rolle. Im Nordwesten Deutschlands wird traditionell stärker mit Gas geheizt, in Berlin und Hamburg sind Fernwärmenetze gut ausgebaut. Die Daten bestätigen dieses Muster: Regionen mit mehr verfügbarer Fläche weisen höhere Anteile an Wärmepumpen auf als verdichtete Stadtgebiete.
Die Wärmepumpen-Champions nach Bundesländern
Im Bundesländervergleich erreichen Sachsen-Anhalt mit 83 % und das Saarland mit 82 % die höchsten Wärmepumpenanteile im Neubau. Es folgen Rheinland-Pfalz (76 %), Baden-Württemberg (75 %) und Nordrhein-Westfalen (73 %). Am anderen Ende der Skala stehen die Stadtstaaten: Hamburg liegt bei 43 %, Berlin bei 37 %. Bremen ist ein bundesweiter Extremfall mit einem Wärmepumpenanteil von nur 32 %. Dafür entfallen 52 % auf Gas – mehr als die Hälfte aller Neubauten heizen demnach mit dem fossilen Energieträger.
Fernwärmenetze in Großstädten gut ausgebaut
Die niedrigen Wärmepumpen-Anteile in Berlin und Hamburg lassen sich unter anderem durch gut ausgebaute Fernwärmenetze begründen. Das Berliner Netz ist eines der größten Europas, basiert derzeit aber noch überwiegend auf Erdgas – Klimaneutralität wird zu 2045 angestrebt. Hamburg plant bis 2028 einen Anteil von 50 % klimaneutraler Fernwärme und den Kohleausstieg bis 2030. Die Stadtstaaten setzen also weniger auf dezentrale Wärmepumpen, treiben aber die Dekarbonisierung ihrer Netze voran.
Top-Landkreise mit hohen Wärmepumpen-Anteilen
Beim Blick auf die Wärmepumpen-Anteile der drei einwohnerstärksten Städte pro Bundesland stechen Koblenz mit 94 % und Dessau mit 88 % hervor – allerdings bei vergleichsweise geringen Fallzahlen von 15 bzw. 25 Neubauten. Diese Spitzenwerte zeigen das Potenzial, sind aber statistisch weniger belastbar.
Aussagekräftiger sind Kreise mit mehr als 100 Neubauten: Magdeburg führt mit 86 %, gefolgt von Leipzig mit 84 % und Oldenburg mit 80 %. Auf Platz vier und fünf folgen Chemnitz mit 79 % sowie Nürnberg mit 73 %. Auffällig ist, dass ostdeutsche Städte hier mit drei Platzierungen in den Top 5 besonders stark vertreten sind.
Gewerbe und öffentliche Gebäude: Wärmepumpe auch hier vorn
Auch außerhalb des Wohnungsbaus ist die Wärmepumpe die meistgewählte Heizart, allerdings weniger dominant. Die Nutzungsarten und Strukturen von Auftraggebenden sind vielfältiger, die Zahlen erlauben daher vor allem das Nachvollziehen von Tendenzen.
Bei gewerblichen Gebäuden wurden 2024 insgesamt 25.764 Objekte fertiggestellt, davon werden nur 40 % überhaupt beheizt – bei dem Rest handelt es sich beispielsweise um unbeheizte Lagerhallen oder landwirtschaftliche Gebäude. Bei den beheizten Gewerbebauten liegt die Wärmepumpe bei 39 %, Gas bei 28 %, Fernwärme bei 11 %.
7.456 Objekte wurden fertiggestellt, die den öffentlichen und institutionellen Gebäuden zuzuordnen sind – 89 % davon beheizt. Die Wärmepumpe erreicht hier 41 %, Fernwärme 22 %, Gas 19 %. Der höhere Fernwärme-Anteil erklärt sich auch hier durch die Standorte: Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungen stehen überwiegend in städtischen Gebieten mit entsprechender Infrastruktur.
Fazit – Die Bauherren haben entschieden
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 59.485 Gebäude wurden 2024 mit Wärmepumpe fertiggestellt. 70 % aller neuen Wohngebäude heizen mit Umweltwärme, bei Einfamilien- und Zweifamilienhäusern sind es 75 %. In allen Segmenten außer Mehrfamilienhäusern ist die Wärmepumpe die führende Heizart.
Wärmepumpe ist kein Nischenprodukt mehr
Im Wohnungsbau ist die Wärmepumpe der neue Standard. Die Debatte über die Heiztechnologie der Zukunft haben die Auftraggebenden längst entschieden. Potenziale liegen dort, wo Infrastruktur und historische Gegebenheiten den Wandel bremsen: in den Stadtstaaten, bei Mehrfamilienhäusern und in Regionen mit gasbasierter Infrastruktur.
Methodik und Datengrundlage
Die Daten zu Heizarten im Neubau stammen vom Statistischen Bundesamt (Destatis) und umfassen alle 2024 fertiggestellten Neubauten in Deutschland. Jedes Gebäude wird nur einer Heizenergiequelle zugeordnet; bei Hybridheizungen zählt die überwiegende Energiequelle. Die erfassten Heizformen waren: Biogas/Biomethan, Fernwärme/Fernkälte, Gas, Geothermie, Holz, Keine Energie (inkl. Passivhaus), Öl, Solarthermie, Sonstige Biomasse, Sonstige Heizenergie, Strom und Umweltthermie. Ausgewertet wurde ausschließlich die primäre Heizenergie; der Gebäudebestand ist nicht erfasst.
Die Wahl der Heizungsart wird von vielen Faktoren beeinflusst: Lage, vorhandene Infrastruktur, historische Gegebenheiten und individuelle Möglichkeiten. Wärmepumpen lassen sich auf dem Land oft leichter realisieren, Fernwärme ist vor allem in Städten verfügbar. Die Daten bilden daher nicht nur politische Präferenzen, sondern auch strukturelle Rahmenbedingungen ab.
Quellen:
- Statistik der Baufertigstellungen 2024, aus Statistisches Bundesamt (Destatis) und Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Abruf: Dezember 2025)
- DIW Wochenbericht 49/2023: Wärmewende in Berlin
- Hamburger Energiewerke: Fernwärme Stadtnetz
- Umweltbundesamt: Energieverbrauch privater Haushalte
- BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.: Wie heizt Deutschland 2023?
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